ATIB Funktionär über das Islamgesetz

Wieder einmal anonymisiert, dafür aber durchaus aufschlussreich. Mit einem hohen ATIB-Funktionär sprach ich über das Islamgesetz, salafistische Gefährdung und warum nächstes Jahr einige Moscheen ohne Imame bleiben könnten:

“Lebende Subventionen” oder das Imam-Problem:

Das vielleicht am heftigsten diskutierte Thema im Zuge der Islamgesetz-Novellierung ist das Phänomen der importierten Imame (aus der Türkei). Ich habe den Herrn konkret auf die absehbaren Auswirkungen angesprochen, falls besagtes Gesetz in Kraft tritt. Anfang Jänner nächsten Jahres würde nämlich die Übergangsfrist für Import-Imame auslaufen und somit die ATIB (eigentlich fast nur diese, da andere Verbände ein anderes Verhältnis zum türk. Staat haben) vor eine materielle wie personelle Herausforderung stellen.

Könnte es also soweit kommen, dass nächstes Jahr bis zu 65 Moscheegemeinden quer übers Land ohne ordentlichen Imam verbleiben?

Die kurze Antwort des Herrn: Ja, denn einerseits nehme der türk. Staat mit der Subventionierung nicht nur die Lohnkosten ab, sondern helfe auch deshalb, weil es in Österreich (noch) keine Ausbildungsmöglichkeiten für Imame gibt. ATIB hätte also nicht nur ein materielles Problem, sondern auch ein personelles.

Wie er denn zum Kurz’schen Islamgesetz stünde, frag ich den Herrn?

Er sehe es als “Anti-ATIB-Gesetz”, da entscheidende Einschränkungen die Existenz der ATIB als Verband angreifen würden, während andere Islamverbände keine graduelle Schwächung zu erwarten hätten. Mitunter sogar eine Stärkung, schließlich könnte ATIB im Fall der Fälle keine religiösen “Dienstleistungen” mehr anbieten. Muslime müssten somit auf andere Verbände oder gar inoffizielle Moscheevereine ausweichen.

Wie er sich das erkläre?

Regierungsverantwortliche, die ich nicht namentlich zu erwähnen brauche, hätten in Treffen ohnehin klar gestellt, warum es ihnen mit dem neuen Gesetz gehe: Erdogan und IS.

Ob sie mit vorliegendem Gesetz tatsächlich Erdogan oder gar IS treffen?

Die ATIB gab es vor Erdogan und wird es auch nach Erdogan geben. Wer auch immer in der Türkei regiere, sei nicht so wichtig, wie der Umstand, dass man aus der Türkei adäquat ausgebildetes Personal beziehen könne. Und genau das sei ja in Österreich (noch) nicht möglich. Schließlich laufe die angekündigte islamisch-theologische Fakultät erst an und bis diese erste Absolventen abwerfe, wird es wohl mindestens bis 2020 dauern. Doch das Verbot türkischer Imame greift ja bereits Anfang 2016. Daher sei dieses Gesetz so “schlecht”, schließlich habe keiner der Verantwortlichen eine Idee, wie die Jahre dazwischen zu bewältigen seien.

Arbeitet ihr an Lösungen, falls besagtes Gesetz in vorliegenden Form beschlossen wird?

Er besteht darauf zu sagen, ATIB stünde der Ausbildung von Imamen in Österreich ja nicht ablehnend gegenüber, sondern sehe eben praktische Probleme. Noch dazu sei es nicht in Ordnung, wenn man quasi die Verbände per Gesetz nötige, bestimmte Imame zu beschäftigen. Da ginge es nicht mehr um die Imame an sich, sondern um den Widerwillen sich von der hohen Politik gängeln zu lassen. Praktisch werde es also ein Loch geben, zwischen Inkrafttreten und ersten Theologie-Absolventen in Ö. Das habe man der Regierung versucht klarzumachen, doch diese habe zur Not auf hiesige Islamlehrer verwiesen. Das müsse man sich dann so vorstellen: Lehrer, die normalerweise Volksschulkindern den Islam in Grundzügen erklären, müssen dann als vollwertige Imame fungieren. Das stelle er sich schwierig vor.

(Tatsächlich erwähnt der Herr einen möglichen Ausweg aus der zu erwartenden Imam-Knappheit, doch das verrate ich noch nicht. Will nämlich mitlesenden KollegInnen keine Story in den Schoß werfen. Sorry.)


TEIL 2 folgt alsbald.

Fuat Sanac und die MJÖ

bzw.

Salafismus in Ö

 

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