„Wesen Europas ist verschmutzt“

Ich will es offen zugeben: Ich liebe es Recht zu behalten. Erdogans medialer Arm reicht immer weiter und erreicht nun offenbar Wien. Ich habe bereits über die AKP-nahe und sehr aggressive „Yeni Akit“ geschrieben (siehe hier ) und eben diese Yeni Akit hat nach dem ganzen Trubel, um die Erdogan Wahlkampfveranstaltung in Wien das schöne Österreich für sich entdeckt.

So führte die Zeitung ein Interview mit dem mittlerweile nicht ganz unbekannten „Philosophen“ Sinan Ertugrul. Man darf mich bitte nicht falsch verstehen, ich will dem Herrn nicht absprechen ein Philosoph zu sein. Doch ich denke nicht, dass er als freischaffender Philosoph von der Yeni Akit entdeckt worden ist, sondern viel mehr weil er im Mittelpunkt einer neuen konservativen Bewegung steht. Dieser stark akademisch geprägte Zirkel hat sich sogar eine eigene (mediale) Online-Präsenz geschaffen: haberjournal.at

Diese intellektuelle Vorhut, die vom älteren Sinan Ertugrul protegiert und geleitet wird, kann jetzt schon viele Debatten innerhalb der türkischen / muslimischen Gemeinde beeinflussen. Aktuell kann sie etwa durch die israelischen Bombardements in Gaza Druck auf  innenpolitische Akteure ausüben, damit diese etwa nicht zum Iftar Essen des Außenministers gehen oder sich eben starker Kritik ausgesetzt sehen. Und genau deswegen lohnt sich auch ein Blick auf das Interview mit der Yeni Akit.

„Wesen Europas ist verschmutzt“

Der Titel des Interviews hat es schon einmal in sich und muss nicht weiter kommentiert werden. Ich werde auch nicht das ganze Interview übersetzen, aber ein paar Schmankerl anbieten, damit man sich ein Bild von Sinan Ertugrul und den neuen (muslimischen) Konservativen machen kann:

  • Ertugrul ist der Meinung, dass die österr. Politik nach dem Wien-Auftritt Erdogans ängstlich geworden sei, weil schließlich kein Ö. Politiker „20.000 Leute auf die Straße bringen kann“
  • Ertugrul ist der Meinung, alle österr. Parteien seien „islamfeindlich“
  • Alle österr. Medien seien direkt oder indirekt dem Staat unterstellt und daher sei deren „Rassismus“ und “ Islamfeindlichkeit“ noch kritischer zu bewerten

 

Fazit

Wir haben also eine Gruppe, die nicht nur aus der Türkei direkt oder indirekt Hilfe bekommt (schließlich ist die AKP in der Diaspora-Politik sehr aktiv, vielleicht sogar hyperaktiv), sondern auch einen harten Kurs fährt und weiterhin fahren wird. Doch die interessanteste Frage wird in diesem Zusammenhang sein, wie sich das Ganze auf die Wienwahlen 2015 auswirken wird. Die türkisch-muslimischen Konservativen und deren intellektuelle Vordenker wollen mehr als bei der der letzten NR-Wahl erreichen und werden sich kaum noch mit hinteren Plätzen für *ihre* Kandidaten abspeisen lassen.

Und was geschieht, wenn sie sich nicht mehr von den etablierten österr. Parteien vertreten fühlen, schließlich ist der Kredit des Außenministers Kurz (und damit der VP) bei vielen Konservativen aufgebraucht. In diesem Fall können wir vielleicht das erleben, was im Bereich der Arbeiterkammerwahlen bereits Usus geworden ist: Türkische/muslimische Listen. Und es gibt sogar ein parteipolitisches Vorbild, wie das Ganze aussehen könnte: Klick

In diesem Sinne kann ich zumindest eines voraussagen, es wird auch weiterhin spannend bleiben.

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