Gülen-nahe Werft bekommt Großauftrag – trotz Krise mit AKP

Im Schatten der AKP-Gülen Krise, die unter anderem auch Gülen-nahe Firmen wie etwa das Goldabbau-Unternehmen „Koza Altin“ getroffen hat, wurde ein wichtiger Rüstungsauftrag vergeben. Kurz vor Neujahr und überlagert von den sich überschlagenden Meldungen rund um die Korruptionsermittlungen gegen die AKP-Regierungspartei wurde der Auftrag für ein Mehrzweckkriegsschiff (Docklandungsschiff / Flugzeugträger) an die „Sedef“-Werft vergeben.

Das Projekt ist kostspielig und vor allem prestigeträchtig, da das sogenannte „schwimmende Hauptquartier“ das Flaggschiff der türkischen Marine werden und die Ambitionen der Türkei als überregionalen Player unterfüttern soll. Mit diesem Schiff wäre es der Türkei möglich auch jenseits des östlichen Mittelmeeres zu operieren und vor allem bei UNO-gestützten Einsätzen eigenständig zu agieren.

Das Schiff soll sich an das spanische Flaggschiff „Juan Carlos I.“ orientieren: Es soll 1200 Soldaten und bis zu 90 Panzerfahrzeuge beherbergen können. Es wird ein Welldeck für Landungsboote haben, ein großes Flugdeck für Hubschrauber und eben auch ein Sky-Jump am Bug für Senkrechtstarter-Flugzeuge wie etwa die F-35, die die Türkei beziehen wird.

Ein solches Rüstungsprojekt ist immer ein Politikum, aber die Entscheidung zur Vergabe an die Sedef-Werft ist dennoch eine Besonderheit. Während nämlich die durch die Korruptionsermittlungen angeschlagene AKP wild um sich schlagend die Gülen Bewegung mittlerweile als „amerikan örgüt“ (sprich: amerikanische Organisation) bezeichnet und sie fortan quasi als potenziell terroristisches Netzwerk im Fokus haben will, ist die Entscheidung der Vergabe eben bemerkenswert. Die Sedef-Werft gehört der Kalkavan-Gruppe und die Kalkavan-Gruppe/Familie ist wiederum Gülen-nah. Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit wird dieses Großprojekt also an den politischen „Feind“ vergeben. Manche sprechen daher auch von einem semi-offiziellen Friedensangebot der AKP an die Gülen Bewegung, was allerdings durch die Entwicklungen seit Neujahr nicht mehr haltbar ist: Entweder war das „Angebot“ nicht verlockend genug oder diese Entscheidung hat einen anderen Aspekt, den man nicht einsehen kann.

Wie rachsüchtig jedoch die AKP-Regierungspartei sein kann, hat nicht nur die türkische Goldabbau-Firma, welche Gülen-nah ist, zu spüren bekommen (die Minen stehen immer noch still), sondern auch ein Konkurrent der Sedef-Werft. Die RMK, die zur Koc-Gruppe gehört, hatte den Auftrag für das MILGEM Projekt gewonnen und auch schon zwei Schiffe vom Stapel gelassen, als plötzlich die Gezi-Park-Proteste losbrachen und Erdogan sich daran gestört hatte, dass Demonstranten im Taksimer Luxus  Hotel „Divan“ medizinisch versorgt worden waren. Die Hotelkette „Divan“ gehört wiederum zur Koc-Familie. Und mittlerweile hat die Regierung das MILGEM Projekt annulliert und neu vergeben.

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