Wie die FPÖ das Weihnachtsfest politisiert

In einer Kufsteiner „Spar“-Filiale verteilte ein „Nikolo“ Geschenkssackerl an anwesende Kinder. Inhalt der Sackerl: Mandarinen, Erdnüsse und eine kleine Tafel Schokolade. Natürlich lässt das Kinderherzen höher schlagen. Leider kam es dann zwischenzeitlich zu einem Gedränge, da einige Kinder ihre Vorfreude auf die Geschenkssackerl nicht zügeln konnten. Daraufhin wurde sicherheitshalber der Nikolo ins Büro der Filiale gebracht und die Kinder einzeln zu ihm vorgelassen, damit es zu keinem weiteren Gedränge kommt.

Doch die FPÖ machte daraus einen „islamistischen“ Anschlagsversuch auf das Weihnachtsfest höchstselbst. Nicht zum ersten Mal  versucht die FPÖ und ihr Dunstkreis im virtuellen Äther der sozialen Netzwerke eine Bedrohung zu produzieren, die es einfach nicht gibt. Dieser Umstand scheint wiederum den blauen Dunstkreis im Netz am unglücklichsten zu machen, daher auch der Versuch aus kindlicher Ungeduld islamistische Anschlagsversuche auf das Weihnachtsfest abzuleiten. Dass mit diesen populistischen Kniffen der Realpolitik die Besinnlichkeit des Weihnachtsfestes für alle (nicht-muslimische wie muslimische Menschen im Land) verloren gehen könnte, wird den Umfragewerten bereitwillig geopfert. Die Politisierung des Weihnachtsfestes wird in Kauf genommen.

Die FPÖ warnt gerne vor der „Islamisierung“ Österreichs und nicht nur wenn ein Teilzeit-Nikolo in Kufstein Gefahr läuft von Kindermassen erdrückt zu werden. Pikanterweise macht eben jenen Islamismus eine durchgehende Politisierung aller Lebensbereiche aus. Man könnte überspitzt formulieren, dass der gemeine Islamist keine Besinnlichkeit tolerieren mag. Und hier im Lande haben wir eine bedeutende Partei, die ihrerseits die Besinnlichkeit des Weihnachtsfestes nicht tolerieren mag. Wer hier eine Parallele erkennt, darf an dieser Stelle gerne schmunzeln.

Gerne erinnere ich mich daran zurück, wie ich mich auf die Geschenkaktionen im Kufsteiner Inntal-Center als Kind gefreut hatte. Für ein muslimisches Kind mit zwei arbeitenden Elternteilen waren die Feststimmung und die Vorfreude der christlichen und christlich geprägten Mitschüler beneidenswert. Und die Geschenkverteil-Aktionen waren quasi die einzige Möglichkeit einen Hauch dieses Hochgefühls der Mitschüler und Freunde mitzubekommen. Selbst muslimische Kinder aus frommeren Familien entzogen sich den Argumenten und Warnungen der Eltern vor „kultureller Assimilierung“, weil gegen Weihnachten und Geschenke nichts anzukommen vermochte. Nicht weil es ein „christliches“ Fest war, sondern weil es besinnlich war, weil es für alle zugänglich war und weil es Kinderherzen in ihrer Unschuld schneller schlagen ließ.

Daher wäre es möglicherweise nicht das Verwegenste zumindest zur Weihnachtszeit einen Burgfrieden einzuhalten, damit sich zumindest die christlichen, aber eben auch die muslimischen Kinder in Unkenntnis der verbitterten, politischen Auseinandersetzungen im Lande weiterhin am Weihnachtsfest erfreuen können.

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