Österreichs Medien und die Migranten

Österreich tut sich in allen Belangen schwer seine Neubürger zu integrieren. Mit der zweiten Generation der ehemaligen Gastarbeiter tritt nun eine Gruppe von jungen, immer öfter studierten Menschen in den Arbeitsmarkt. Aber eben jene jungen Menschen finden kaum Chancen & Möglichkeiten, um sich ihren Talenten und Wünschen entsprechend am österr. Arbeitsmarkt zu orientieren.

Die Parteien wollen die Stimmen der Migranten, schaffen es aber seit Jahren den Anteil ihrer Migranten sehr niedrig zu halten, zumindest wenn es um Plätze in Bezirksvertretungen geht. Trotz Quotendiskussionen und einer medialen Sensibilisierung ist auch die Privatwirtschaft noch am Anfang ihres Weges, wobei sie sehr viel schneller und natürlicher auf die neuen Faktoren & Umstände reagiert hat als etwa die hohe Politik.

Banken beschäftigen oft und gerne Menschen mit Migrationshintergrund, insbesondere in Bezirken, wo sie damit ihre Produkte besser absetzen können. Die Glücksspielindustrie macht das übrigens auch so; man bedankt sich also bei den braven migrantischen Kunden, die Tag für Tag Automaten auf Betriebstemperatur halten.

Die Medien sind wichtig und erfüllen brav ihre Funktion als „Watchdog“ der österr. Demokratie. Zumindest könnte man sich dieser Sicht hingeben, wenn man die immer wieder kehrenden Artikel & Diskussionsveranstaltungen bzgl. Medien und Migranten verfolgt.

Selbstkritik der Medien und Kritik durch Migranten

Wie so vieles in Österreich funktioniert zwar alles, aber eben weit unter dem Möglichen. Die Medien funktionieren, aber sie könnten und sollten viel mehr. Denn der Prozentsatz der migrantischen Journalisten im Land ist nicht sehr hoch. Und mit „nicht sehr hoch“ meine ich unter einem Prozent. Und dieses eine Prozent soll uns auch nicht glauben machen, es handle sich darunter um Nachfahren der Gastarbeiter aus Ex-Jugoslawien und der Türkei. Denn wir dürfen nicht vergessen, dass Deutsche ebenso als „Ausländer“ gezählt werden.

Wir haben also eine mediale Elite, die es nach Jahren geschafft hat, ja geschafft hat, nicht einmal ein Prozent des Personals aus den Kreisen der Neubürger zu rekrutieren. Eine „großartige“ Leistung, wenn es denn so beabsichtigt war.

Medien aller oder Medien der Mehrheitsgesellschaft

Wenn sich die Medien bzw. ihre Belegschaft aus einer bestimmten Gesellschaftsschicht speisen. Wenn also einheimische Bürgerliche die mediale Elite bilden und es sicher gestellt wird – bewusst oder auch nicht -, dass sich der Nachwuchs demenstprechend heranbilden wird, dann steht mehr auf dem Spiel als die üblichen Eifersüchteleien der diversen Gesellschaftsschichten untereinander.

Ein mediales System, dass sich aus der Mehrheitsgesellschaft rekrutiert ist kein System, das Legitimität beanspruchen kann. Tatsächlich ist eine solche Elite im Grunde ein reines Machtvehikel der hegemonialen (Noch-) Mehrheitsgesellschaft.

Würden wir uns sehr wundern, wenn als Reaktion darauf, die Migrantencommunitys eigene Medien schaffen würden, die in zu erwartenden evolutionären Schritten in einigen Jahren qualitativ relevante Print- und Onlinemedien werden könnten? Und würde die Mehrheitsgesellschaft dann etwa nicht blöken und meckern ob der vermeintlichen Segregation der Neubürger?

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