Mein Standard Artikel: Zukunft der AKP & Erdogans

Die heftigsten Debatten gab es um die neuen Namen, die Erdoğans Partei für die bevorstehenden Kommunalwahlen Ende 2013 stärken sollten: AKP-Neulinge, die nicht nur den Segen der Parteimitglieder erhielten, sondern auch als „strategische Transfers“ gewertet werden.

Einer dieser Neulinge ist der Jurist Osman Can. 2008 entging die AKP knapp dem Verbot durch das türkischen Verfassungsgericht. Sechs von elf Richtern hatten für ein Verbot gestimmt, aber die entscheidende siebte Stimme hatte gefehlt. Osman Can (44) fungierte damals als Berichterstatter des Verfassungsgerichts in der Causa. Sein Bericht soll den Ausschlag gegeben haben, dass die notwendige Stimmenmehrheit nicht erreicht wurde. Der Jurist, der an der Universität Köln promoviert hat, schrieb seine Doktorarbeit über die Grenzen der Meinungsfreiheit im türkischen Rechtssystem.

Ein alter Weggefährte Erdoğans aus Millî-Görüş-Zeiten ist Numan Kurtulmuş (53), ein in den USA ausgebildeter Wirtschaftswissenschaftler. Die Millî Görüş ist eine umstrittene politisch-islamische Bewegung, aus der viele heutige AKP-Politiker kommen. Kurtulmuş leitete die heutige Saadet Partisi seit 2008 (Partei der Glückseligkeit, SP), die nach der Trennung zwischen Erdoğans AKP und der Millî-Görüş-Bewegung fortbesteht. Er führte diese bei den Kommunalwahlen 2009 zu einem Achtungserfolg gegen die starke und ebenso islamisch-konservativ ausgerichtete AKP. Dennoch wurde er bei einem Iftar-Abendessen im Fastenmonat Ramadan 2010 von einer aufgebrachten Menge junger Millî-Görüş-Sympathisanten angegriffen, nachdem er zuvor den Sohn des Millî-Görüş-Gründers Necmettin Erbakan, Fatih, nicht für den Parteivorstand berücksichtigt hatte.

Ein kurzes Intermezzo mit einer eigenen Kleinstpartei folgte daraufhin. Während dieser Zeit warnte er seine Anhänger wiederholt vor „geheimen AKP-Sympathisanten“ innerhalb der eigenen Reihen. Nun wurde er selbst in den AKP-Vorstand gewählt und wird als der Kandidat für die Nachfolge Erdoğans gehandelt. Er gilt als besonnen, umgänglich und legt nach offizieller Lesart einen starken Fokus auf die soziale Verträglichkeit des Kapitalismus in der Türkei.

AKP-Quereinsteiger Süleyman Soylu (43) hatte die aus der Fusion zweier ehemaliger Mitte-rechts Parteien hervorgegangene „Demokrat Parti“ (Demokratische Partei, DP) kurzzeitig angeführt. Er konnte zwar die in der Türkei für den Einzug ins Parlament notwendige Zehnprozenthürde nicht überschreiten, machte sich aber im Zuge des von der AKP lancierten Verfassungsreferendums für ein Ja stark. Dafür wurde er umgehend aus der DP ausgeschlossen. Die AKP vergaß ihn nicht und übernahm ihn nun in den Parteivorstand. Soylu soll die säkular-konservativen Stimmen der ehemaligen Mitte-rechts-Parteien für die AKP sichern.

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