Gottschlich in der taz zur jüngsten türkischen Bildungsreform

Als die AKP vor nunmehr zehn Jahren nach einem sensationellen Wahlerfolg in der Türkei an die Macht kam, war klar, dass damit in Anatolien und am Bosporus eine Ära zu Ende ging. Erstmals nach Gründung der Republik 1923 hatte wieder eine Partei allein die Macht in Händen, die aus der Tradition des politischen Islam stammt. Stand, wie viele Kritiker befürchten, die Trennung von Staat und Religion vor dem Ende, sollte aus der demokratischen Republik jetzt eine islamische Republik werden?

Die Spitzenleute der AKP, allen voran Ministerpräsident Tayyip Erdogan und Präsident Abdullah Gül, haben das immer verneint. Weder offiziell noch im Geheimen sei die Abschaffung des Laizismus geplant. Stattdessen gehe es um echte Demokratisierung und um die Modernisierung des Landes.

Ein vor wenigen Tagen verabschiedetes neues Bildungsgesetz bietet nun einen guten Anlass, Bilanz zu ziehen. Bildung ist in der Türkei dem französischen Vorbild folgend eine Angelegenheit des Zentralstaates. Das hat den Vorteil, dass es nicht zu einem Schulchaos wie in Deutschland kommt, wo jedes Bundesland seine eigenen Regeln aufgestellt, es hat aber auch einen großen Nachteil: Türkische Schulen, von der Grundschule bis zu den Gymnasien, ja selbst bis in die Universitäten hinein, haben nicht nur den Auftrag, Wissen zu vermitteln, sondern sie setzen einen einheitlichen staatlichen Bildungsauftrag um.

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