Der Kreuzritter im Außenministerium

Der österr. Außenminister Spindelegger hat einen Streit vom Zaun gebrochen, weil seine Kandidatin nicht zur OSZE Vorsitzenden gewählt worden ist. Vorab muss man sagen, dass es ohnehin ein Novum gewesen wäre, wenn das Gastgeberland (AUT) auch noch den Vorsitz inne gehabt hätte. Des Weiteren wurde wohl mit Absicht, ja mit böswilliger Absicht, ein an sich diplomatisches Problem in die Innenpolitik getragen – merke: Mit Türken-/ Moslembashing kann man in diesem Land immer noch am besten Sympathien erregen.

Und während sich die hiesigen (politisch dominierten und konnotierten) Medien auf alles Türkische einschossen, tourte der österr. Wirtschaftsminister Mitterlehner durch Anatolien, um weiterhin fleißig Verträge mit den bösen Türken abschließen zu können. Die österr. Lebenslüge, zumindest eine von vielen – auf den Balkan, den Osten oder eben die Türkei schimpfen (im Inneren), aber nach außen hin schön neutral und freundlich auftreten.

Sami Akpinar (UETD, WKO) hat „Turkonline.at“ ein Interview gegeben zur Causa Plassnik: Er widerspricht der gängigen Version, dass das Veto der Türkei überraschend gekommen wäre. Er beruft sich auf Diplomaten, die während des Gül Besuchs in Österreich dabei waren. Das drohende Veto gegen diese bestimmte Kandidatin, wäre der österr. Seite seit Monaten bekannt gewesen, nur deshalb hätte Spindelegger kurzfristig seinen Amtskollegen Davutoglu getroffen, doch keinen Konsens erzielen können.

Die Version der österr. Delegation bekam ohnehin schon vor diesem Interview erste Risse, als die regierungskritischen, liberalen türkischen Tageszeitungen (wie Milliyet und Radikal) die offiziellen Versionen relativiert hatten – die österr. Seite hätte demzufolge das südzypriotische und armenische Veto überhaupt erst thematisiert, da diese lediglich an eine Enthaltung gedacht haben sollen. Die türkische Delegation (Merke: Die Außenpolitik ist eines der Steckenpferde der AKP Regierung) hatte sich demzufolge ganz böse über den Tisch ziehen lassen und hätte vor vollendete Tatsachen gestellt werden sollen, um die Fr. Plassnik dann doch abzuwinken. Es kam ja anders.

Und natürlich schmetterte diese Debatte in die Innenpolitik (genau genommen hat dieses Land ja keine Außenpolitik mehr, ansonsten hätte man wohl keinen farblosen Beamten, der sich gerne in schwindligen Männerbünden tummelt, zum Außenminister gemacht) und wieder einmal waren alle anderen schuld – allen voran die Türken im In- und Ausland.

„Deus lo vult“ – die Rechtfertigung der europäischen Kreuzritter für die vielen, vielen Verbrechen im Heiligen Land und der österr. Außenminister ist in einem Verein, der dieses Motto als Leitmotiv führt. Ist es da noch verwunderlich, dass die ohnehin schwächelnde ÖVP besseren Umfrageergebnissen zu liebe einen Eklat provoziert, um wieder einmal „den Türken“ für alles die Schuld geben zu können?

Post Scriptum: Der ehrenwerte Außenminister dieser Republik will ja auch, um den schönen Schein des Alpenlandes im Ausland zu bewahren, dass leider zusehends notwendige Diskussionen, die NS Zeit und vor allem die geistigen Erben dieser Zeit betreffend, lediglich im „Inneren“ geführt werden. Das darf man nicht zulassen, denn diese österr. Lebenslüge ist zu liquidieren.

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