Vom guten Nationalismus

Gibt es den guten und folglich den schlechten Nationalismus? Gibt es die Ausnahme von der Regel, die noch alle Nationalisten oder „Patrioten“ anführen?

Ich denke, ich habe den guten Nationalismus gefunden, auch wenn er sich versteckt und verkleidet hielt. Der gute Nationalismus scheint in erster Linie immer der eigene zu sein. Getreu dem Motto: „Meine Heimat ist schöner, mein Volk schlauer, deines ist doof und deine Werte sind auch doof.“ Oder weniger flapsig formuliert: Der eigene Nationalismus erscheint vielen gar nicht als Nationalismus, während die Sensibilität bei fremden Nationalismen immer schärfer ist.

Fallbeispiel: Ich hatte vor einigen Tagen eine wenig erfreuliche Diskussion mit einem Herrn aus dem Dunstkreis der Feykom (ein nicht-militanter Ableger der verbotenen PKK – sehr nationalistisch, aber auch sehr gewieft). Der Herr ist natürlich gegen die neue Fremdenrechtsnovelle, wer nicht, der Herr mag Strache und seine nationale Gesinnung nicht, was man auch nachvollziehen kann, aber hier muss bereits kritisch gefragt werden: Warum ist der deutschnationale Strache böse? Weil er den vielen kurdischen Flüchtlingen, die oftmals leider im Netz extremistischer Organisationen sind oder eben landen, die Heimreise ermöglichen wollen würde oder weil er einfach dem „falschen“ nationalen Moloch frönt? Beides trifft zu. Denn dieser Herr, der sich in Gesellschaft und auf gewissen sozialen Plattformen als „Humanist“ und „Philanthrop“ gefällt, ist dann gleichzeitig in FB Gruppen Mitglied wie etwa „Büyük Kürdistana Destek verenler buraya!“ (zu deutsch:  Die Unterstützer für ein Groß-Kurdistan hierher!) und anderen mehr als streitbaren Gruppen.

Der gute Nationalismus scheint also der kurdische zu sein, da die PKK zwar verboten ist, aber bei jedem Feykom Aufmarsch Insignien und eindeutige Plakate in die Höhe gestreckt werden. Und was sagen Polizisten im Vieraugen-Gespräch, wenn man sie nach der offenkundigen Diskrepanz zwischen Rechtslage und Realität anspricht? „Wir buchten sie ein, die Richter lassen sie umgehend wieder laufen, da gibts keinen Willen entsprechend zu intervenieren“ – bittere Erkenntnisse für alle jene, die keine Extremisten im Lande wünschen und gerade unter den Migranten nicht.

Alle (!) Wiener Parteien des Gemeinderates interagieren mit dieser Feykom und deren „kulturellen Events“. Letztens war sogar eine hochrangige Wiener Delegation in Diyarbakir, oh Verzeihung, da werden die kurdischen Nationalisten schnell böse, in Amed und ließen sich vor PKK Fahnen ablichten – bittere Tatsachen.

Ob diese feinen Damen und Herren wissen, dass ihr Wille zur Stimmenmaximierung reale Gefahr für Menschen hier in Wien birgt? Ein befreundeter (kurdisch stämmiger) Kollege von einer türkisch-sprachigen Zeitung hat mich mal auf die Seite genommen und mich gefragt, wie sehr man Drohungen aus dem Eck nationalistischer Kurden ernst nehmen müsse. Ein (türkischstämmiger) Geschäftsmann sprach sich in der Öffentlichkeit ebenfalls gegen Feykom und Konsorten aus und wurde daraufhin anonym „gewarnt“.

Der gute Nationalismus – es gibt ihn nicht, denn jeder Nationalismus bedingt klare Dichotomie (Freund – Feind) und eine gehörige Portion Irrationalität; wie sonst wäre zu erklären, dass noch jeder Nationalist glaubt, der seine wäre etwas Spezielles, wenn doch Nationalismen nach den gleichen Prinzipien und mit den gleichen Werkzeugen arbeiten und funktionieren?

Die österreichische Gesellschaft wäre gut beraten, derlei Tabus zu brechen.

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass es kaum Journalisten im Lande gibt, aber viele, viele Schreiberlinge.

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